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Archäologische Forschungen in Teurnia (de)

Beschreibung (de): Das claudische Municipium Teurnia, das heutige St. Peter in Holz, vier Kilometer westlich von Spittal an der Drau gelegen, gehörte mit Virunum, Celeia, luvavum und Aguntum zu den ältesten römischen Städten in der Provinz Noricum. Durch die günstige verkehrsgeographische Lage an der Drau bzw. am Schnittpunkt zweier Fernstraßen, nämlich der Drautal- und der Tauernroute, entwickelte sich aus einer latènezeitlichen Siedlung am Holzer Berg die römische Stadt, zu deren Territorium weite Teile Oberkärntens und der Lungau gehörten.

Die Bewertung der latènezeitlichen Siedlungstätigkeit in Teurnia kann sich nur auf das Fundmaterial stützen, das sich innerhalb der südostalpinen Latènekultur der Mokronog-Gruppe zuordnen läßt. Während der Spätlatènezeit scheint sich eine Verlagerung des zentralörtlichen Siedlungsschwerpunkts in diesem Bereich des oberen Drautals von der Görz, einer zweiperiodigen, 11ha großen Befestigungsanlage im Raum Feistritz/Drau, drauaufwärts nach Teurnia abzuzeichnen.

In Teurnia ist von einer Siedlungskontinuität über die Spätlatène- bis in die frühe Kaiserzeit auszugehen. Eine vergleichbare Entwicklung hinsichtlich des Gründungsmusters der Siedlung liegt in Celeia-Celje vor, wo sich ebenfalls aus einer keltischen Höhensiedlung zunächst ein römischer Vicus in Tallage entwickelt. Im Unterschied dazu kann in Aguntum, luvavum und im flavischem Municipium Solva eine älteste Siedlungstätigkeit erst in augusteischer Zeit beobachtet werden, während Virunum unter Kaiser Claudius als neu geplante Provinzhauptstadt angelegt wurde.

Eine erste Siedlungsexpansion ist in Teurnia schon im 3./2. Jahrzehnt v. Chr. faßbar, als erste Holz- und Lehmfachwerkbauten östlich des 620m hohen Holzer Berges im Areal der späteren Wohnterrassen entstanden, Durch eine kombinierte Auswertung der Grabungsbefunde 1971-1978 und von mehreren Luftbildserien läßt sich der Ausbau und die Monumentalisierung des Stadtbildes nach der Verleihung des Municipalstatus nachvollziehen. Dabei wird auch die Frage diskutiert, ob sich das Forum der kaiserzeitlichen Stadt tatsächlich oben auf dem Hügel befand, wie es R. Egger zu Beginn dieses Jahrhunderts vorschlug, oder sich angesichts der neueren Luftbilder nicht doch in der Unterstadt östlich des Holzer Berges ausdehnte.

Nach einer Brandkatastrophe im früheren 3. Jahrhundert n. Chr. kam es in den Wohnterrassen, einem Stadtviertel mit mehreren repräsentativen Wohnhäusern und einer öffentlichen Therme von besonderer Ausstattungsqualität (Stuckdekorationen, marmorne Innenarchitektur, Wandmalerei, Fensterglas, Hypokaustheizungen), zu keinem flächigen Wiederaufbau. Das Auflassen dieses Siedlungsareals erfolgte möglicherweise schon in der Zeit vor den Germaneneinfällen in den 70er Jahren dieses Jahrhunderts als Folge severischer Proskriptionsmaßnahmen.

Klassifikation: ÖFOS → GEISTESWISSENSCHAFTEN → Historische Wissenschaften → Archäologie

BIC Standard Subject Categories → Humanities → Archaeology

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Überblick
http://e-book.fwf.ac.at/o:307

o:307

Archäologische Forschungen in Teurnia (Deutsch)

Die Ausgrabungen in den Wohnterassen 1971-1978 (Deutsch)

Die latènezeitlichen Funde vom Holzer Berg (Deutsch)

Deutsch

Das claudische Municipium Teurnia, das heutige St. Peter in Holz, vier Kilometer westlich von Spittal an der Drau gelegen, gehörte mit Virunum, Celeia, luvavum und Aguntum zu den ältesten römischen Städten in der Provinz Noricum. Durch die günstige verkehrsgeographische Lage an der Drau bzw. am Schnittpunkt zweier Fernstraßen, nämlich der Drautal- und der Tauernroute, entwickelte sich aus einer latènezeitlichen Siedlung am Holzer Berg die römische Stadt, zu deren Territorium weite Teile Oberkärntens und der Lungau gehörten.

Die Bewertung der latènezeitlichen Siedlungstätigkeit in Teurnia kann sich nur auf das Fundmaterial stützen, das sich innerhalb der südostalpinen Latènekultur der Mokronog-Gruppe zuordnen läßt. Während der Spätlatènezeit scheint sich eine Verlagerung des zentralörtlichen Siedlungsschwerpunkts in diesem Bereich des oberen Drautals von der Görz, einer zweiperiodigen, 11ha großen Befestigungsanlage im Raum Feistritz/Drau, drauaufwärts nach Teurnia abzuzeichnen.

In Teurnia ist von einer Siedlungskontinuität über die Spätlatène- bis in die frühe Kaiserzeit auszugehen. Eine vergleichbare Entwicklung hinsichtlich des Gründungsmusters der Siedlung liegt in Celeia-Celje vor, wo sich ebenfalls aus einer keltischen Höhensiedlung zunächst ein römischer Vicus in Tallage entwickelt. Im Unterschied dazu kann in Aguntum, luvavum und im flavischem Municipium Solva eine älteste Siedlungstätigkeit erst in augusteischer Zeit beobachtet werden, während Virunum unter Kaiser Claudius als neu geplante Provinzhauptstadt angelegt wurde.

Eine erste Siedlungsexpansion ist in Teurnia schon im 3./2. Jahrzehnt v. Chr. faßbar, als erste Holz- und Lehmfachwerkbauten östlich des 620m hohen Holzer Berges im Areal der späteren Wohnterrassen entstanden, Durch eine kombinierte Auswertung der Grabungsbefunde 1971-1978 und von mehreren Luftbildserien läßt sich der Ausbau und die Monumentalisierung des Stadtbildes nach der Verleihung des Municipalstatus nachvollziehen. Dabei wird auch die Frage diskutiert, ob sich das Forum der kaiserzeitlichen Stadt tatsächlich oben auf dem Hügel befand, wie es R. Egger zu Beginn dieses Jahrhunderts vorschlug, oder sich angesichts der neueren Luftbilder nicht doch in der Unterstadt östlich des Holzer Berges ausdehnte.

Nach einer Brandkatastrophe im früheren 3. Jahrhundert n. Chr. kam es in den Wohnterrassen, einem Stadtviertel mit mehreren repräsentativen Wohnhäusern und einer öffentlichen Therme von besonderer Ausstattungsqualität (Stuckdekorationen, marmorne Innenarchitektur, Wandmalerei, Fensterglas, Hypokaustheizungen), zu keinem flächigen Wiederaufbau. Das Auflassen dieses Siedlungsareals erfolgte möglicherweise schon in der Zeit vor den Germaneneinfällen in den 70er Jahren dieses Jahrhunderts als Folge severischer Proskriptionsmaßnahmen.
(Deutsch)

The Claudian-era Municipium Teurnia, today's St. Peter in Holz, is situated four kilometers west of Spittal an der Drau (Carinthia, Austria). Along with Virunum, Celeia, luvavum and Aguntum, Teurnia counts as one of the oldest Roman cities in the province of Noricum. Due to its strategic location on the Drava River and at the intersection of two principal routes, namely the Drava Valley and the Tauern roads, Teurnia developed from a LaTène-period settlement to a Roman city, whose territory included large parts of Upper Carinthia and the Lungau in modern Salzburg.
The assessment of La Tène period settlement activity in Teurnia is based solely on the finds assigned to the La Tène culture of Mokronog group centered in the south-east Alps. Continuous settlement in Teurnia can be proven from the late La Tène until the early Imperial period. A comparable trend can be seen at Celeia-Celje, where the initial Celtic hill settlement eventually developed into a Roman vicus in the valley. In contrast to this, the oldest identifiable settlement activity at Aguntum, luvavum and the Flavian municipium of Solva dates to the Augustan period, while Virunum was created as a new, planned provincial capital during the reign of the emperor, Claudius.
The first settlement expansion in Teurnia is identifiable as early as the 3rd and 2nd decades of the first century BCE, as the first turf and timber constructions originated east of the 620m-high Holzer Mountain where habitation areas were located, built on serveral terraces on the eastern slope of the hill. Through the combined analysis of finds and results from the 1971-1978 excavations as well as several series of aerial photographs, the expansion and resulting monumentality of Teurnia’s cityscape, after being awarded municipal status, is understandable. In this regard discussion continues as to whether the forum of the imperial-era city was actually located up on the hill, as proposed by R. Egger at the beginning of the last century, or in the lower town situated east of Holzer Mountain, as the preliminary interpretation of recent aerial photographs suggests.
After a catastrophic fire in the early 3rd century CE this habitation area, a neighborhood with several prestigious homes and a public thermal bath furnished with high quality fittings such as stucco decoration, marble-cladding, wall paintings, window glass, and hypocaust heating technology, was not reconstructed. The abandonment of this settlement area may already have occurred before the Germanic invasions in the late 3rd century CE, maybe as a result of the Severan prospription measures.
(Englisch)

Teurnia, Provinz Noricum (Deutsch)

Teurnia, Province of Noricum (Englisch)

Identifikatoren

ISBN

3-900305-30-7